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Das Rezept für gelungene Erziehung

16. Mai 2019

Ganz oft werde ich nach einem Rezept für gelungene Erziehung gefragt.

Das Internet ist voll von „10 goldenen Regeln“ und „Rezepten für Erziehung“, voll von Ratgebern, Expertenmeinungen und Studien. Es gibt Bücher, Abhandlungen, Dissertationen und unzählige andere Schriften. Menschen, die wir treffen, versorgen uns mit Ratschlägen- gefragt und ungefragt. Wir sind informiert, belesen, bilden uns weiter, wir informieren uns, lesen nach, fragen nach, diskutieren in Foren. Eigentlich sind wir ja sattelfest- wir kennen diverse pädagogische Ansätze, wir kennen Pädagogen, Hirnforscher, Entwicklungspsychologen und all ihre Thesen, Studien und Abhandlungen.

Und dennoch zeigen unsere Kinder oft ein Verhalten, das wir nicht verstehen. Die Kinder machen Probleme oder zeigen Problemverhalten.

Was könnte der Grund dafür sein?

Zu wenig Aufmerksamkeit? Zu viel Zuneigung? Verwöhnen wir unsere Kinder zu viel? Zu wenig?

Ich habe lange nachgedacht um die Frage nach dem Rezept beantworten zu können.

So wie beim Backen eines Kuchens gibt es wichtige Zutaten:

Eine gute Portion Zuneigung, Liebe, Geborgenheit und Nähe

Einige liebevoll und nachvollziehbare Regeln und Grenzen für das Zusammenleben

Eine Prise Freiheit

Genügend Schutz und Sicherheit

Ausreichend Zeit

Fingerspitzengefühl

Auf keinen Fall darf Gewalt hinzukommen

Und dann noch ein guter Schuss Humor und Gelassenheit

 

Alles vermischen, gut abwägen und es klappt.

Oder eben auch nicht.

Wie bei einem echten Kuchenrezept. Denn auch Kuchenrezepte funktionieren nicht immer. Manchmal gelingt der Teig eben nicht so gut wie an anderen Tagen. Manchmal sind die Umstände eben nicht perfekt- wir haben es eilig und lassen uns zu wenig Zeit, das Backrohr heizt zu stark oder zu wenig, die Zutaten sind zu kalt oder wir haben irgendetwas vergessen.

Vielleicht gelingt unser Kuchen ja besser, wenn wir das Rezept ein wenig abwandeln, ein wenig anpassen an uns selbst? Ein bisschen mehr Zucker, oder etwas weniger- ganz nach unserem eigenen Geschmack, länger rühren, länger ruhen lassen….nur so wird ein allgemein gültiges Rezept zu unserem Lieblingsrezept.

 

Eigentlich wie bei unseren Kindern.

Es gibt ein Grundrezept, das die oben genannten Zutaten vorgibt und dann ganz viel Platz lässt für Geheimzutaten um zum perfekten Ergebnis zu gelangen. Und für diese Geheimzutaten bist nur du zuständig, nur du kannst sie finden. Du selbst bist die wichtigste Geheimzutat.

Dein Kind braucht genau dich. Dich, so wie du bist. Echt und unverfälscht und ehrlich und aufrichtig. Es braucht dich mit all deinen Fehlern, deinen Kanten, deinen Launen. Wenn du nicht du selbst bist in deinen Handlungen, dann musst du dich verstellen, dann wirst du unglaubwürdig und unvorhersehbar. Und das verunsichert das Kind.

An deinem Vorbild lernt dein Kind es selbst zu sein, seine Vorzüge zu nutzen und seine Kanten zu akzeptieren, sich für unangebrachtes Verhalten zu entschuldigen und für seine Fehler einzustehen.

Die Geheimzutat bist du- so wie du bist. Nicht perfekt, zum Glück, sondern einfach voll mit Liebe uns Fürsorge.