Das freie Spiel
Die meisten Eltern wollen ihren Kindern den besten Start ins Leben ermöglichen, sie vorbereiten auf eine Welt, die ihnen ganz viel abverlangen wird. Wir wollen Kinder stark und leistungsfähig machen, sie trainieren und unterrichten damit sie sich später irgendwann behaupten können.
Also schicken wir unsere Kinder zum Fördern- zum Klavier- oder Geigespielen, zum Sport, zum Turnen, Ballett, Judo und zur sprachlichen Frühförderung, zu Italienisch, Englisch und zum Kinder Computerkurs.
Gefördert- gefordert- überfordert- befördert aus der Kindheit.
Bitte versteht mich nicht falsch- auch ich bin dafür Kinder zu fördern- aber ein Terminkalender, der voller ist als bei manchem Manager kann schnell das Gegenteil zur erwünschten Förderung bedeuten. Ein zu voller Terminkalender verhindert, dass unsere Kinder ein möglichst breites Spektrum an Fähigkeiten und Wissen im Gehirn entstehen lassen und speichern können.
Wir sollten uns bewusst für ein, zwei Hobbys entscheiden und Freiräume schaffen- für uns und für die Kinder.
Doch warum ist freies Spiel denn so wichtig?
Das freie Spiel ist die Zeit in der sich Kinder völlig ungezwungen, ohne pädagogische Anleitung mit einer Sache beschäftigen. Kinder dürfen hierbei selbst entscheiden ob sie alleine, mit Geschwistern, Freunden oder den Eltern spielen wollen. Sie entscheiden auch womit, wie lange und wo sie spielen. Das freie Spiel regt die Kreativität an, stärkt und schult soziale Fähigkeiten und ermöglicht das Erforschen der eigenen Bedürfnisse und lässt ohne Druck und Anleitung, auch ohne Erwartungen, Neues ausprobieren. Spielen setzt Botenstoffe frei, zum Beispiel sogenannte Katecholamine, sowie körpereigene Opiate, die neue und stabile Vernetzungen im Gehirn schaffen. Spielen lässt also das Gehirn wachsen, macht uns schlauer.
„Damit das riesige Potential an Vernetzungsmöglichkeiten im Gehirn möglichst gut stabilisiert werden kann und die in unseren Kindern angelegten Talente zur Entfaltung kommen, müssen wir ihnen so lange wie möglich die Gelegenheit bieten, frei spielen zu können“, sagt G. Hüther.
Es gibt neue Versuche mit Schimpansen- hindert man die Jungtiere am freien Spiel, kann sich die Großhirnrinde nicht richtig ausbilden. Die Tiere leiden dann ein ganzes Leben lang an schwierigen sozialen Bindungen.
„Bei Schimpansen ist es sehr ähnlich wie bei Menschen“, sagt Kinderarzt Renz-Polster, „gerade bei Schimpansen geben die kompetentesten Mütter ihren Kindern beim Spielen den weitesten Raum. Diese an der langen Leine erzogenen Jungen nehmen später einen viel höheren Rang in der Hierarchie ein“
Freies Spiel bedeutet aber nicht, dass es gar keine Grenzen, gar keinen Rahmen gibt. Freies Spielen soll weder zerstörerisch noch verletzend sein. „Frei“ bedeutet eben- wie so oft im Zusammenleben in einer Familie nicht „Regellos“. Frei bedeutet selbstbestimmt und unbeeinflusst, ungelenkt. Aber immer innerhalb der Regeln die in der jeweiligen Familie aufgestellt worden sind.
Also schaffen wir mehr freie Zeit, mehr freie Plätze, mehr Freiräume und ermöglichen wir es unseren Kindern einfach zu spielen.